Winter im hohen Norden 2020

AIDAaura Winter im hohen Norden

29.02.2020 bis 14.03.2020

Eine letzte besondere Reise vor dem Lockdown ...


29.02.2020 - Hamburg

Am Samstag den 29.02.2020 begann das große Abenteuer mit AIDAaura. Von Hamburg aus sollte es nach Norwegen in den tiefen Winter gehen, doch wird es soweit kommen?

COVID-19 wurde zu diesem Zeitpunkt ein immer größeres Thema in Deutschland. Egal, wir waren entspannt und freuten uns auf die Reise. In Hamburg-Altona angekommen ging es für uns direkt los zum Check-In, hier wurden wir bereits von freundlichen Mitarbeitern mit Mund-Nasenschutz und Handschuhen begrüßt, ein wirklich ungewöhnlicher Anblick (zumindest zu diesem Zeitpunkt noch...) Nachdem unser aktueller Gesundheitsfragebogen ausgefüllt war und wir auch nicht aus Italien oder sonstigen Risikogebieten eingereist sind war er Weg aufs Schiff frei, ab dort auch ohne Maske und Abstand.

Angekommen an Bord bezogen wir unsere Kabine und nahmen ein kleines Mittagessen ein. Danach folgte nur noch ein kleiner "Landgang" durch Altona und natürlich die Seenotrettungsübung. Pünktlich um 18.00 Uhr machten wir uns dann zusammen mit AIDAsol auf dem Weg durch die Elbe Richtung Nordsee. Kapitän Thomas Mey begrüßte uns freundlich an Bord und bereitete uns auf einen stürmischen Seetag vor, es waren Wellen von 6-8m vorhergesagt. Am Abend probierten wir uns natürlich nochmals durch die reichhaltigen Buffets bevor es zum Abendprogramm mit Sektempfang überging.

Nach Ankunft auf offener See nach Mitternacht machten sich die Wellen und die Schiffsbewegungen langsam bemerkbar. Damit war der erste Tag also geschafft und die erste Nacht auf See folgte.


01.02.2020 - Seetag

Die erste Nacht auf See war überstanden und der erste richtige Reisetag begrüßte uns tatsächlich mit einer See von bis zu 8 Metern. Für uns war dies jedoch kein Grund im Bett zu bleiben, wir sind Seefest. Beim Frühstück machte sich der Seegang jedoch deutlich bemerkbar und das nicht nur bei der Auslastung der Restaurants. Ein so aufregendes Frühstück habe ich bis dahin noch nicht erlebt, einmal nicht aufgepasst war der Tisch leer und das Brötchen oder der Sitznachbar auf dem Boden :D. Was für uns als Spaß angesehen wurde, war für die Crew natürlich harte Arbeit. Ständig musste Kaffe aufgewischt oder Teller vom Boden aufgehoben werden, dafür nochmals ein dickes Dankeschön an die Crew.

Auf einzelne Programmpunkte an Bord möchte ich nun jedoch nicht weiter eingehen, hier kommt es natürlich immer auf das Schiff, die Crew und die Möglichkeiten an. Was wir jedoch gerne dankend an den Seetagen annahmen waren die Vorträge des Lektors Thomas Laukötter welcher uns mit seinen spannenden Vorträgen auf die kommenden Häfen und die skandinavischen Destinationen vorbereitete.


02.03.2020 - Haugesund (Norwegen)

Angekommen in unserem ersten norwegischen Hafen Haugesund erkundeten wir die Stadt individuell und zu Fuß. Von der Anlegestelle die die Stadt fußläufig gut zu erreichen, am Hafen stehen aber auch gerne mal Taxis oder ein Shuttle bereit.

In der Innenstadt schlenderten wir also einfach querfeldein drauf los und schauten uns alles etwas an. An und für sich eine ganz schöne Stadt, richtige Sehenswürdigkeiten gibt es zu Fuß jedoch nicht zu erkunden hier muss man dann etwas weiter raus. Jedoch gibt es trotzdem ein bisschen was zu sehen und auch wirkliche einige tolle Fotostops. Wer also keine Lust auf einen großen Ausflug hat kann hier gerne selbst auf eigene Faust los und die Stadt erkunden.

Zurück an Bord begann direkt wieder die Vorfreude auf die weiteren nördlicheren Häfen. Pünktlich zum geplanten Auslaufen unseres Schiffes fanden sich viele Passagiere an der Reling ein und warteten aufs sail away.

Leider kam hier alles anders als gedacht ...

Anstelle des geplanten Auslaufens kam plötzlich eine Durchsage des Kapitäns durch das ganze Schiff. Kapitän Mey informierte darüber dass sich das Auslaufen noch etwas verzögern würde, er melde sich aber umgehend wieder. Alles klar, weiter ging der normale Schiffsalltag bis zur nächsten Ansage kurze Zeit später. Hier wurden die Crew und die Gäste darüber informiert, dass ein Auslaufen heute nicht mehr möglich sei, ein Landgang wäre jedoch auch nicht möglich. Nach dieser Durchsage machten natürlich die ersten Gerüchte zu Covid den Umlauf, die Stimmung blieb aber zum Glück ruhig und fröhlich. Ohne weitere Infos lief der Abend wie zuvor von der Crew geplant ganz normal ab, weitere Infos sollten am Morgen folgen.


03.03.2020 - ein etwas anderer Seetag

Wie versprochen meldetet sich der Kapitän am Morgen pünktlich zu einem Statusupdate. Leider sprach er hier ein Thema an, was jeder vermutete aber niemand vorher aussprechen wollte. Zwei Passagiere wurden am Tag zuvor informiert Kontaktpersonen zu einem an COVID-19 erkranken Menschen in Deutschland zu sein. Diese zwei Passagiere meldeten sich vorbildlich bei der Schiffsleitung, wurden umgehend isoliert und auf Covid mittels PCR-Test untersucht. Dieser Test war letztendlich für unseren Stillstand und das Festsetzen des Schiffes verantwortlich. So lange das Ergebnis der Personen nicht da ist, gibt es sozusagen kein Entkommen. Am Nachmittag sollten die Ergebnisse eintreffen und die Reise (sofern das Ergebnis negativ ist) umgehend fortgesetzt werden.

Da an diesem Tag sowieso ein Seetag im Bordprogramm geplant war, verlief alles wie geplant und die Stimmung blieb weiterhin sehr gut und freundlich. Negativ vielen uns an Bord jedoch direkt die Medien auf, kaum festgesetzt las man im Internet von uns. Die ersten Kamerateams und Journalisten versammelten sich im Hafen und gaben ihren Senf zum Thema ab.

Trotz der guten Stimmung an Bord war eine Anspannung bei der Crew und den Passagieren zu spüren, schließlich wurde das Virus immer mächtiger und breitete sich rasend schnell aus. Die Erleichterung folgte jedoch am Nachmittag, die Passagiere waren negativ! Die Reise konnte nun also umgehend fortgesetzt werden, der Halt in Bodo musste durch diesen verlorenen Tag jedoch entfallen. Nach dem fast 24 Stunden verspäteten Auslaufen ging es also auf direktem Weg mit einem weiteren Seetag nach Tromsö.


04.03.2020 - Seetag

Wie bereits erwähnt möchte ich auf einen klassischen ganzen Seetag nicht weiter eingehen, ein Highlight an diesem Tag auf dieser Reise war jedoch die Überquerung des Polarkreises. Am Abend erreichten wir auf dem Weg Richtung Norden die Polarkreisgrenze 66° 33′ 55″. Die Überquerung des Schiffes über die magische Grenze wurde natürlich auf dem Pooldeck mit einem Sprung und etwas Alkohol zum warm werden gefeiert. Die Polarkreistaufe durch Neptun und sein Gefolge sollte dann auf dem Rückweg stattfinden.


05.03.2020 - Seetag / Tromsö (Norwegen)

Der erste Abschnitt dieses Tages begann wie die Tage zuvor an Bord. Der Hafen von Tromsö sollte planmäßig erst gegen 16 Uhr erreicht werden, dies hatte den Vorteil dass wir eine tolle Fahrt durch die verschneiten norwegischen Fjorde genießen konnten. Leider war der Wettergott für diesen Streckenabschnitt nicht ganz auf unserer Seite, an Deck war es super windig und durch leichten Schneefall echt unangenehm. Aber wir wollten nicht jammern, schließlich haben wir quasi dieses Wetter mit gebucht ;-). Die Einfahrt nach Tromsö wurde durch den Lektor über die Bordlautsprecher begleitet, was den Nachmittag wirklich sehr kurzweilig machte. Lektor Thomas Laukötter muss man an dieser Stelle wirklich nochmals erwähnen. Seine Vorträge waren stets bestens Besucht und immer sehr informativ, ein großes Lob dafür. Je weiter die Fahrt Richtung Hafen ging, desto weißer wurde die Landschaft um uns rum.

Angekommen im Hafen von Tromsö wurde es bereits langsam dunkel und die Stadt mit Ihrer Eismeerkathedrale erstrahlte im Lichtschein der Straßenlampen. Da wir diesen Langgang erst am späten Nachmittag beginnen konnten, stand natürlich ein overnight in Tromsö an. Ein Großteil der Passagiere nutzte diesen Abend und die Nacht natürlich für einen Ausflug um eine Nordlichtsafari zu machen, so auch wir. Vorab haben wir von zuhause aus einen Ausflug mit einer deutschen Auswanderin gebucht, sie bietet verschiedene Touren über Scan Adventures an. Los ging es für uns direkt von der Pier aus mit einem Bus ins Landesinnere. Grund hierfür ist natürlich die Lichtverschmutzung in und um die Stadt, für schöne Fotos von Nordlichtern braucht es eine möglichst dunkle Umgebung. Wohin die Busfahrt genau geht ist vorher nicht immer klar, über eine App wird ständig gecheckt wo die besten Aktivitäten der Nordlichter zu sehen sind. Unsere Fahrt führte uns letztendlich bis an die finnische Grenze dort sollte es die beste Möglichkeit geben etwas zu entdecken. Leider waren die Chancen an diesem Tag nicht die Besten, obwohl sich unterwegs und an der Grenze große Wolkenlücken auftaten. Zu dem bedauern von allen hatten wir kein Glück ;(, es gab an diesem Abend nichts zu sehen. Unverrichteter Dinge ging es wieder zurück in die Stadt und aufs Schiff, andere Passagiere berichteten uns ebenfalls von gescheiterten Sichtungen. Immerhin versprach uns die Brückencrew sobald von Schiff aus Nordlichter zu sehen sind einen kurzen Alarm auch in die Kabinen zu senden, es sollte jeder die Möglichkeit haben zu entscheiden ob er mitten in der Nacht auf die Außendecks geht um die Lichter zu sehen. Leider blieben in dieser Nacht die Lautsprecher ruhig, nichts von den grünen Lichtern zu sehen ...


06.03.2020 - Tromsö (Norwegen)

Ausgeschlafen machten wir uns an diesem Tag auf den Weg zu den Außendecks. Dort angekommen erwartete uns ein verschneites Schiff, über nacht sind wenige Zentimeter Schnee gefallen, ein ungewöhnlicher Anblick auf einem Kreuzfahrtschiff. Ein Teil der ausländischen Crew freute sich total über den Schnee, schließlich haben sie teilweise noch nie Schnee gesehen. Direkt wurden kleine Schneemänner gebaut und viele Fotos für die Familien daheim geschlossen.

Wir ließen den Tag gemütlich angehen und hatten erneut einen individuellen Landgang in die Stadt geplant. Der Hafen in dem wir mit AIDAaura lagen war direkt an das Stadtzentrum angrenzend, ideal also für individuelle Ausflüge. Fußläufig erkundeten wir also Tromsö, welches sich auf zwei Seiten aufteilt. Vom Schiff aus ist es problemlos möglich zum Tromsö-Museum, Kunstmuseum oder dem Polarmuseum zu kommen, das Polarmuseum haben viele Passagiere besucht. In der Stadt zeigte sich dann das wahre Ausmaß der letzten Schneefälle, mit LKW wurde dieser abtransportiert. Uns führte es unter anderem zur Tromsö-Kathedrale einer 1861 erbauten neugotische Holzkirche und zur Ronald-Admundsen-Büste. Über die Tromsö-Brücke „Tromsøbrua“ welche gut 1000 Meter lang ist erreichten wir bei starkem Wind und kräftigem Schneefall die Eismeerkathedrale, die markanteste Kirche Norwegens. Die Kathedrale ist bereits vom Schiff aus gut zu erkennen und prägt durch die eigenwillige Bauform das Stadtbild. Der ursprüngliche Plan sah auf dieser Seite der Stadt noch eine Fahrt mit der Seilbahn auf den 420m hohen Berg Storsteinen vor, aufgrund des Wetters haben wir davon allerdings abgesehen.

Der Abend wurde an Bord dann durch ein von der Crew organisiertes Bergfest eingeleitet, schließlich war die Hälfte der Reise bereits vorüber.


07.03.2020 - Alta (Norwegen)

Nach einer weiteren Nacht auf See stand der nördlichste Hafen unserer Reise auf dem Plan, es ging nach Alta. Bereits am Morgen machten wir an der Pier fest, hier muss man jedoch sagen man ist am A... der Welt, zumindest im ersten Moment. Mit dem Schiff liegt man direkt am Flughafen von Alta, bis in die Stadt sind es ca. 5km. Für unsere Reise war in Alta erneut ein overnight geplant, idealer Standort also um Nordlichter vom Schiff aus zu entdecken, dunkel war es hier nachts schließlich.

Unser Tag sah einen über AIDA organisierten Ausflug vor, über myAIDA hatten wir eine Huskyschlittenfahrt gebucht. Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir einen Hof von dem die Schlittenfahrt begann. Auf einem Schlitten war in der Regel für zwei Personen plus den "Fahrer" platz, vor den Schlitten wurden die Huskys gespannt. Den Hunden merkte man die Lust aufs losrennen richtig an, das war ihre Leidenschaft. Die ganze Fahrt dauerte gut 30 Minuten und bot ein tolles Bild durch die verschneite Natur Norwegens. Nach gut 10 Minuten wurde eine kurze Pause eingelegt bei der sich die Hunde im Schnee abkühlen konnten, danach ging die wilde Fahrt durch den Schnee weiter. Nach der Tour war ausreichend Zeit sich mit den Hunden zu beschäftigen und Fotos zu schießen. In einem kleinen Zelt wurde dann noch einiges zu den Hunden und den Schlittenrennen erklärt. Von der Farm führte uns die Bustour weiter in die Innenstadt von Alta, dort angekommen erwartete uns der Start der Finnmarkslopet dem härtesten und längsten Schlittenhunderennen.

Glücklicherweise wurde uns ab hier freigestellt weiter bis zur Rückfahrt in der Stadt zu bleiben oder selbst später mit einem kostenlosen Shuttle zurück zum Schiff zu kommen. Wir entschieden uns für den Shuttle, so hatten wir mehr Zeit in der Stadt. Interessiert verfolgten wir die Starts des Hunderennens welches entweder 500 oder 1200km lang ist, für Urlauber als auch Einheimische eine besondere Veranstaltung. Weiter durch die Stadt machten wir dann noch einen Abstecher zur Nordlichtkathedrale welche auch in Alta durch eine ungewöhnliche Bauform auffällt. Die Kathedrale ist äußerlich mit Titanplatten verkleidet und reflektiert dementsprechend das Licht, im inneren findet sich eine gut 4m große Christusfigur aus Bronze. Nach diesem tollen Tag in Alta ging es also mit dem Shuttle zurück nach Alta, weiterhin in der Hoffnung in der Nacht vom Schiff aus Polarlichter beobachten zu können.


08.03.2020 - Alta (Norwegen) / Seetag

Wie bereits beschrieben lag das Schiff über Nacht im Hafen von Alta, dieser Hafen bietet wirklich ideale Bedingungen um von Schiff aus Nordlichter zu entdecken. Auch in dieser Nacht war das Glück nicht auf unserer Seite, viele Passagiere kehrten vergeblich von Nordlichtsafaris zurück oder schlugen sich die Nacht an Deck ohne Erfolg um die Ohren. Naja, es sollte eben nicht so sein X/

Ein Trost am frühen Morgen war dafür strahlender Sonnenschein und klarer Himmel, ideal um noch schnell ein paar Fotos vom Schiff in der Schneelandschaft zu machen. Dieser "Landtag" war von Anfang an nicht als solcher gedacht denn das Auslaufen war für 10.00 Uhr am Morgen geplant. Pünktlich um 10 ertönte das Typhon und die Leinen wurden eingeholt, eine tolle mehrstündige Fjordfahrt lag vor uns. Auf dem Pooldeck versammelte sich bei bestem Wetter ganz schnell ein Großteil der Gäste und bestaunte die Natur. Das F&B Team sowie die Gastgeber hatten für diese spektakuläre Auslaufen ebenfalls wieder vorgesorgt. Für Unterhaltung sorgte der DJ mit guter Musik, die Gastgeber mit Eisstockschießen auf dem Pooldeck und das F&B Team mit Fingerfood und reichlich Freibier.

Das tolle Wetter, die Fjordfahrt und das ganze Rahmenprogramm machten diesen Tag zu einem der schönsten Seetage die ich an Bord der Kussmundflotte erlebt habe. Alles in allem war dieser Tag mit der passender Landschaft, Sonne und Schnee ein Grund die Reise gebucht zu haben, einfach toll!


09.03.2020 - Sortland (Norwegen)

Am 09. März erreichten wir den Hafen von Sortland einer Stadt inmitten hunderter Inseln und Schären. Angekommen begrüßte uns Sortland mit Regen, für uns aber kein Grund am Schiff zu bleiben. Passend gekleidet machten wir uns kurz vom Schiff aus zu Fuß Richtung Innenstadt, viel zu sehen gab es für uns hier aber nicht, reichte aber aus um sich die Füße etwas zu vertreten.

Zurück an Bord bereiteten wir uns allerdings schon wieder auf den nächsten Ausflug vor, es ging mit dem Bus nach Nyksund. Der Fischerort Nyksund liegt im wahrsten Sinne des Wortes am A... der Welt. Gerade einmal 15 Einwohner zählt das Dorf ... Diese geringe Anzahl an Menschen macht den Ort aber zu etwas ganz besonderem, es wirkte wirklich einsam und verlassen. Im Zusammenspiel mit Sonne, Wolken und der schroffen Natur in diesem Ort frage man sich wirklich wer hier noch lebt. Mein erster Gedanke, hier gehe ich hin wenn mich niemand, wirklich niemand finden soll ;)

Nach einem kleinen Spaziergang und vielen tollen Bildern ging es zurück zum Bus. Bevor es zum Hafen zurück ging, machten wir noch einen kurzen Fotostop an typisch norwegischen Trockenfisch-Gestellen. Ein irrer Anblick, hunderte geköpfte Fische hängen kopfüber an Holzgestellen unter Hasendraht, geschützt vor Vögeln. Im Hintergrund sah man die verschneiten Berge und das Meer, ein traumhafter Anblick.


10.03.2020 - Seetag

Gesättigt durch die Eindrücke der letzten Tage kam dieser Tag zur richtigen Zeit. Nach so vielen Erlebnissen musste der Kopf erst einmal alles verarbeiten und realisieren, die Zeit hierfür findet man am Seetag sicherlich.

Der Beste Ort um zu entspannen war für mich an Seetagen die Panoramasauna von AIDAaura auf Deck 11, hier schaltete ich einfach ab und genoss den Ausblick auf die tolle weiße Landschaft und die mal mehr oder weniger raue See.

Wie schon auf dem Weg in den Norden überquerten wir auch an diesem Tag erneut den Polarkreis, jedoch wieder in Richtung Süden und damit nach Hause. Neptun machte sich mit einem Gefolge auf den Weg zum Pooldeck und übergab das Schiff wieder Kapitän Mey, immer wieder eine schöne Veranstaltung. Die Gäste bewiesen Neptun zahlreich Ihren Respekt und wurden damit von Ihm aufgenommen und getauft.


11.03.2020 - Trondheim (Norwegen) / Seetag

Mit dem Halt in Trondheim erwartete uns ein halbtägiger Landgang, die Weiterfahrt nach Berge war für 14 Uhr geplant. Die Stadt ist direkt fußläufig zu erreichen, super für einen kurzen Aufenthalt. Wer Trondheim erkundet kommt am Nidaros-Dom nicht vorbei, hier wurden und werden die Könige Norwegens gekrönt. Ein wunschschöner Dom von außen wie von innen, ein Besuch lohnt sich hier sicherlich. Vom Dom aus führte es uns weiter durch die alte Speicherstadt zu einer alten hölzernen Zugbrücke, der Game Bybru. Von dieser Brücke aus spiegeln sich mit etwas Glück zahlreiche bunte Pfahl-Holzhäuser im Wasser, auch hier konnten wir tolle Erinnerungsfotos schießen. In Richtung der Festung Kristiansten entdeckten wir noch eine urige Erfindung der Norweger, hier gibt es einen Fahrradlift der die Fahrradfahrer die steile Straße nach oben ziehen kann. Nach Ankunft auf der Festung bot sich uns noch einmal ein toller Blick auf die Stadt und das Wahrzeichen den Dom bevor wir uns auf den Rückweg zum Schiff machten.

Wie immer fuhr unser Kapitän das Schiff pünktlich und sicher aus dem Hafen, morgen Nachmittag sollte erneut ein halber Tag Landgang in Bergen anstehen...


12.03.2020 - Seetag / Bergen (Norwegen)

Noch am Abend des 11. März meldete sich Kapitän Mey von der Brücke mit schlechten Nachrichten. In Deutschland und der Welt verbreitete sich das neuartige Virus COVID-19 rasend schnell. Grund genug für viele Länder Reisende abzulehnen und in Ihre Heimat zu schicken. So entschied sich leider auch Norwegen dazu uns eine weiterfahrt bzw. weitere Landgänge nicht zu gestatten, die Kreuzfahrt wurde damit sozusagen abgebrochen ...

Für uns bedeutete diese jedoch Glück im Unglück, ein gestrichener Hafen mit einer Liegezeit von 5h ist zu verkraften, schließlich können wir die Reise bis zum geplanten Ende am 14.03 an Bord zu Ende führen und hatten trotzdem zwei tolle Wochen an Bord und an Land.


12. und 13.03.2020 - Seetag

Durch den Ausfall von Bergen erwarteten uns zwei volle Seetage mit mäßigem bis stärkerem Seegang. Die Crew bemühte sich uns Gästen zwei letzte tolle Tage mit viel Programm zu gestalten, doch es nützte alles nicht. Die Stimmung unter den Gästen und der Crew war anders, gut aber angespannt und nachdenklich. Durch die Medien wurde uns bewusst wie sich das Virus in den zwei Wochen Kreuzfahrt entwickelt hat. Das vor zwei Wochen noch so weit entfernte Virus wurde zur weltweiten Pandemie erklärt, Schulen wurden geschlossen, Veranstaltungen abgesagt und in den Supermärkten gab es Hamsterkäufe.

Doch was sollte uns wirklich erwarten? Ist es in Deutschland wirklich zu schlimm wie in den Medien gezeigt?

An Bord jedoch ging das normale Leben weiter, schließlich hatten wir kein Corona und alles war für uns noch normal, bis zum letzten Abend ...


Neben dem ersten Abend und dem damit verbundenen "Sie haben Urlaub" Moment gibt es an Bord der AIDA-Flotte am letzten Abend den Farewell-Sekt und eine Verabschiedung durch die Crew. Dieser Abend hatte es aber in sich, Emotionen und Gefühle pur!

Im Theater des Schiffes versammelten sich nach meinem Empfinden alle Gäste um noch einmal der wundervollen Crew danke zu sagen und sich zu verabschieden. Der Hotelmanager und die Entertainmentmanagerin fanden auf der Bühne dazu passende und sehr ergreifende Worte.

Bis zu diesem Zeitpunkt wusste die Crew noch nicht richtig wie es weitergeht, die nächsten Reisen waren abgesagt, nach uns sollten erst einmal keine Gäste folgen! Doch wie geht es weiter und wie lange dauert die Pause? Eine Frage die die Crew beschäftigte denn nur mit Passagiere an Bord funktioniert eine Kreuzfahrt und nur so kann die Crew ihren Job ausüben. Fragen über Fragen und niemand kannte eine Antwort ...

Ein solch emotionaler farewell-Abend habe ich an Bord noch nicht erlebt. Die Crew wusste nicht was kommt und die Passagiere mussten sich auf einen anderen und veränderten Alltag in Deutschland vorbereiten.

Mit minutenlangem Applaus und standing ovations verabschiedeten wir die Besatzung von der Bühne, die Ungewissheit und ein stückweit konnte man der Mannschaft in den Augen ablesen ;(


14.03.2020 - Reiseende in Hamburg

In Hamburg sagt man Tschüss, das war das Motto des heutigen Tages. Schweren Herzens mussten an diesem Tag alle Gäste das Schiff verlassen, mit der Ungewissheit im Gepäck was uns erwartet und wann alles wieder normal wird.

Keiner wollte freiwillig das Schiff verlassen, schließlich waren wir alle Gesund und das Virus war weit entfernt. Doch es nützte alles nichts, wir mussten absteigen ...

Bis mindestens zum heutigem Datum dieses Berichtes (09.02.2022) also fast zwei Jahre hat AIDAaura keine Gäste mehr empfangen und keine Reise mehr durchgeführt. Das Schiff liegt bis heute einsam und verlassen im Hafen und wartet auf ein baldiges wiedersehen.


Fazit

Die Reise hat sich definitiv gelohnt und war jeden Cent wert. Der Wunsch Nordlichter zu entdecken bliebt leider offen, aber was nicht ist kann ja noch werden. Die nordische Landschaft im Winter zu bereisen ist ein Traum und jedem zu empfehlen.

Ja es ist klar, ja es wird auch mal nass aber dafür gibt es gute Kleidung ;). Also los, guckt in den Kalender und lasst die Crew der Kreuzfahrtlounge eure nächste Reise in den winterlichen Norden buchen :)


Zum Schluss ein dickes Dankeschön

Danke an eine tolle und sehr bemühte Crew, ihr habt diese Reise zu etwas ganz besonderem gemacht. An Land trifft man selten so freundliche und engagierte Mitarbeiter die alles für die Gäste tun würden. Ihr liebt und Ihr lebt euren Job und dafür möchte ich Danke sagen.

DANKE den Kabinenstewards, den Kellnern und Barkeepern, den Gastgeber, den AIDA Stars und allen die an Bord für die Gäste und den reibungslosen Ablauf verantwortlich sind. Selten geht ein Dankeschön zur "unsichtbaren" Crew aber ohne euch läuft es nicht, also noch einmal DANKE.


meine-kreuzfahrtlounge.de/community/bildergalerie/album/11/


Kommentare 2

  • Hallo lunicruise96,

    danke für den schönen Reisebericht. Es freut mich, dass Euch meine Vorträge an Bord gefallen haben.

    Vielleicht treffen wir uns ja auf einer anderen Reise einmal wieder.

    Alles Gute!

    Thomas

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  • Toller Bericht, Danke!

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